Terminkalender

„Die Felsmalereien der australischen Ureinwohner“

Sonderausstellung Rock Art

Es ist zwischen 40.000 und 60.000 Jahre her, dass die ersten Menschen Australien besiedelten. Man nimmt an, dass sich die Vorfahren der Aborigines, als der Meeresspiegel noch deutlich niedriger war, Insel für Insel aus dem indonesischen Archipel vorarbeiteten. Ob dies eher zufällig oder mit Absicht erfolgte, lässt sich nicht sagen. Fest steht jedoch: Die Neuankömmlinge trafen auf eine äußerst unwirtliche Welt. Fast die Hälfte des Kontinents bestand aus Wüste und Steppe. Die Siedler mussten sich gegen hochgiftige Schlangen zur Wehr setzen, es gab riesige Echsen, aber – im Gegensatz zu anderen Kontinenten – keine Tiere, die sich zähmen und domestizieren ließen. Selbst als 25.000 Jahre später der gesamte Kontinent besiedelt war, gab es höchstens 900.000 Aborigines. Sie verharrten jahrtausendelang in der Steinzeit, entwickelten keine Schrift, betrieben keinen Ackerbau, und Pfeil und Bogen waren ihnen genauso fremd wie Werkzeuge aus Metall.

Die Kultur der Aborigines gilt als die älteste noch heute gepflegte Kultur der Menschheit. Bei ihnen stehen Weltbild und Entstehungsgeschichte auf einheitlicher Basis: Das Land, die Sprachen und die Menschen wurden von Schöpfungswesen geschaffen, die den Menschen das Land anvertrauten. Die Religion der Aborigines kennt keine Götter, stattdessen steht der Lebensraum im Mittelpunkt. Der Einzelne und seine Gruppe sind für immer an das Land gebunden, das ihnen vermacht wurde.

Der Nordwesten Australiens, konkret die Provinz Kimberley im Bundesstaat Westaustralien, ist Ort großartiger, eindrucksvoller Kunst: Felsmalereien in einem ganz außergewöhnlichen Stil. Sie zählen zu den ältesten Zeugnissen menschlicher Kultur. Es sind Darstellungen von Schöpfungsmythen oder aber Bilder aus dem Alltag der Menschen, die Geburt und Tod, Jagd oder den Kontakt mit den ersten weißen Siedlern zeigen. Die Malereien sind von unschätzbarem Wert für die kulturelle Identität der australischen Ureinwohner, deren Alltagskultur im Zuge der Besiedlung Australiens durch europäische Einwanderer weitgehend zerstört worden ist.

Einige der eindrucksvollsten Werke zeigt die Ausstellung. Sie wurden von Ralf Metzdorf vom Naturkunde-Museum Coburg in Nordwest-Australien (Kakadu-Nationalpark) und im Kakadu-Nationalpark (westliches Arnhemland) in Nord-Australien fotografiert. Die Darstellungen von Felswänden im Kakadu-Nationalpark etwa schildern die Geschichten der Ureinwohner in dieser Region. Am Ubirr Rock, dessen Höhlen über lange Zeit Unterschlupf boten, spiegelt sich die Tierwelt der fruchtbaren Ebenen der Umgebung wider. Religiöse Motive haben die Ureinwohner dagegen am Nourlangie Rock hinterlassen. Am Nanguluwur-Rock hielten die Aborigines neben Geistern und mythischen Figuren auch die Ankunft der Europäer fest. Lokale Klimaschwankungen, insbesondere im Norden Australiens, brachten verschiedene Kunstrichtungen hervor, die sich in den Darstellungen der Felsbilder wiederfinden und zeitlich einordnen lasse

 

 Foto: Ralf Metzdorf (NMC)